Freude am schreiben und dichten!

Hier darfst du für deine Kinder oder deine kleinen Freunde Geschichten zum einschlafen ausdrucken:

Bruder, oder Schwester?

Heute ist etwas ganz Wichtiges passiert.
Stimmt nicht. Es ist noch gar nichts passiert. Es kommt erst noch. Also,“ passiert“ ist auch nicht der richtige Ausdruck. Es ist ja auch gar nichts Schlimmes für mich, oder doch?
Eigentlich ist es ja was ganz Schönes. Aber wie es für mich ist, weiß ich noch nicht genau. Es ist nämlich so., Wir bekommen ein Baby. Richtig bekommt es ja die Mama. Aber Papa und ich haben es dann auch, und es gehört uns allen. Mama hat es mir heute beim Frühstück gesagt. Sie hat gesagt: „Pass auf Meike, was hältst du von einem Brüderchen oder einem Schwesterchen?“ Da hab ich erst mal komisch geguckt. Die Mama hat gestrahlt, dann hat sie mich in den Arm genommen und gesagt:“ Im Dezember ist es soweit.“ Ausgerechnet wenn Weihnachten ist. Da ist sowieso schon genug los bei uns.
Lieber wäre mir ja ein Bruder. Eine Schwester, das wäre ja noch einmal das gleiche wie ich. Nein, wenn schon dann lieber einen Bruder. Ich hätte sogar schon einen Namen für ihn. Frederick. So heißt mein Freund vom Kindergarten. Er hat Sommersprossen und ist sehr stark.
„Wo soll das Kind bloß schlafen?“ hab ich die Mama gefragt. Es gibt nur ein Kinderzimmer bei uns, und das gehört mir, und die Betten sind auch alle belegt.
Da hat die Mama gelacht und gesagt, im Keller stehe noch eine Babywiege von mir, aus der Zeit, wo ich ganz klein war. Da bekam ich auf einmal Lust, die ganzen Bilder von meinem Album anzuschauen. Klein Meike in der Badewanne. Klein Meike im Kinderwagen. Mama musste mir dabei erzählen, wie das alles mit mir war.
Ich bekomme also ein Geschwisterchen. Wenn das bloß nicht viel schreit. Ich bin ja schon groß, schon fast fünf. Mama sagt, sie sehr froh, schon solch eine große Tochter zu haben.
Heute habe ich es Frederick erzählt, dass bei uns ein Kind kommt. Dann haben wir gelacht und uns gefreut. Aber dann hab ich auf einmal geweint und wusste überhaupt nicht warum. Frau Wölfel hat mich dann auf den Arm genommen und mir eine Geschichte vorgelesen. Vom Uwe, der einen Bruder bekommt. Der Uwe hat sich nämlich auch gefreut, aber er war auch ein bisschen traurig.
Mama hat mich heute mit zum Arzt genommen. Er war sehr freundlich zu mir. Auf einem Fernsehapparat haben wir uns das Baby angesehen. Ich hab aber gar nichts erkannt, nur Striche und Streifen. Doktor Leipert war aber ganz sicher, dass das unser Baby wäre. Mama wurde auch gewogen. Sie hat 300 Gramm zugenommen. Das ist soviel wie drei Tafeln Schokolade.
Heute Abend als mich Mama ins Bett gebracht hat, hab ich sie was Wichtiges gefragt. Erst hab ich ein bisschen herumgedruckst, und dann hab ich mich fest an sie gekuschelt und gefragt:“ Und wenn du dann das Baby lieber hast als mich?“ Mama hat mir erklärt, dass das vielleicht manchmal so aussieht, weil das winzige Kind dauernd etwas will. Fläschchen, trockene Windeln, auf den Arm nehmen und all so was. Und dann hat sie mir erklärt, in ihr sei genug Liebe für zwei Kinder, und das wäre so wie bei einem Springbrunnen, wo das Wasser ja auch nie weniger wird.
Dann haben wir auf ihren Bauch geschaut, ob sich das Baby schon bewegt, und ich hab meine Hand draufgelegt und einen Rucker gemerkt. Das Baby hat meine Hand gestubst, so als wolle es „Hallo du“ sagen.
Ich bin jetzt sicher dass da wirklich ein Kind in Mamas Bauch wächst.
Heute bin ich mit Papa Rad gefahren. Papa war immer neben mir und hat aufgepasst. Das Baby kann noch nicht mit Papa Rad fahren, es kann ja noch nicht einmal laufen, wenn es geboren ist. Papa und ich haben ein Geheimnis. Papa streicht im Keller die Wiege an in Himmelblau, und ich darf ihm dabei helfen. Mama verraten wir nichts.
Heute hab ich meine Spielsachen aufgeräumt und sortiert. Mit manchen Sachen spiel ich gar nicht mehr. In der untersten Schublade von meinem Schrank hab ich eine kleine Frotteepuppe gefunden. Mama sagt, ich habe sie immer an der Zipfelmütze gepackt und aus dem Wagen geschmissen. Die werd ich dem Baby schenken, wenn es kommt.
Ich glaube ein Geschwisterchen zu bekommen, ist ganz schön aufregend. Und eins weiß ich genau. Ich platze bald vor Neugier, wie es aussehen wird.


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Das rote alte Auto

Familie Linnewein hatte einen roten alten Bus. Eines Tages fuhr Herr Linnewein mit seiner Frau Henriette in die Stadt zu einer Zwergkaninchenausstellung. Herr Linnewein fuhr auf der Autobahn und sah missmutig zu, wie ihn ein Auto nach dem anderen überholte. Da sagte er zu seiner Frau:“ Unser Bus hat ausgedient, er fährt nicht mal hundertzehn. Die Scheibenwischer sind auch kaputt, außerdem quietschen die Bremsen und die Heizung funktioniert auch nicht richtig.“ „Du hast ja recht“, sagte Frau Linnewein und rückte ihren neuen Hut gerade. „Der Motor ist fürchterlich laut und dann erst diese schrecklich rote Farbe. Kein Mensch fährt heute mehr ein rotes Auto. Die Müllers haben einen Wagen in creme und Hubers Sohn fährt ein Cabriolet in silber. Ich hätte am liebsten eine Limousine in dunkelblau,“ schwärmte Henriette und zupfte an ihrer Rüschenbluse.
„Ich sage es ja,“ meinte Herr Linnewein,“ unser Auto ist einfach nicht mehr zeitgemäß.“ Es ist viel zu langsam,“ sagte Frau Linnewein vorwurfsvoll. „Wir sind doch keine Schneckenpost. Außerdem ist die Polsterung miserabel und die karierten Sitzüberzüge wirken ausgesprochen altmodisch.“ „Niemand kauft uns diese Klapperkiste noch ab“, stellte Herr Linnewein fest und meinte abschließend:“ Wir werden diesen Bus verschrotten lassen.“
Die beiden Linneweins ahnten ja nicht, dass ihr rotes altes Auto alles mithörte. Der Bus fing vor Angst zu schlottern an. Er verschluckte sich vor lauter Schreck am Benzin und klapperte laut mit beiden Kotflügeln.
„Da hörst du es,“ sagte Herr Linnewein. “Dieses Auto fällt uns bald auseinander.“
Henriette nörgelte:“ Meine ganze Garderobe passt nicht mehr zu dieser auffallenden Farbe. Die Schleifers fahren ein Auto mit Automatik. Und Herr Sägebrecht hat sogar ein Telefon in seinem Wagen.“
Das rote alte Auto wurde sehr nachdenklich und traurig, als es das alles hörte. Hatte es nicht immer ordentlich seinen Dienst getan? Hatte es nicht immer Herrn und Frau Linnewein heil und trocken von einem Ort an den anderen gebracht? Natürlich setzte es da und dort etwas Rost an und es hatte mehr als einen Kratzer im Lack. Aber das Auto fuhr. Noch nie war es in einen Unfall verwickelt gewesen. Die Stoßstange war nicht verbogen und alle Reifen waren noch in Ordnung.
„Auf den Schrottplatz soll ich,“ flüsterte das Auto entsetzt und von Minute zu Minute wurde es ärgerlicher über die Undankbarkeit der Linneweins, bis es an der nächsten Ampel bei Grün einfach eine Weile stehen blieb.
„Da hast du es,“ brummte Herr Linnewein. „Die Zündung streikt. Bald ist alles kaputt. Wir können froh sein wenn die alte Kiste noch hält bis wir ein neues Auto haben.“
„Etwas mehr Chrom außen herum wäre auch nicht schlecht,“ phantasierte Henriette. „Dann kann ich mich darin spiegeln und mir die Nase pudern.“
An der nächsten Ampel machte das rote alte Auto wieder eine kleine Verschnaufpause um nachzudenken und plötzlich hatte es die rettende Idee. Es würde den Linneweins einen Strich durch die Rechnung machen, puffte es ärgerlich.
Dann blinkte es mit seinem rechten Auge in eine ganz andere Richtung wie Herr Linnewein wollte und fuhr schnurstracks in eine Allee. Dort, an einem Kinder-
spielplatz macht das rote alte Auto einen scharfen Ruck nach rechts und blieb einfach neben der Rutsche stehen.
„Unerhört, unerhört!“ zischte Herr Linnewein und Henriette tobte:“ Wenn wir nicht weiter fahren werden wir noch die ganze Zwergkaninchenausstellung verpassen.“ Doch das rote Auto ließ Henriette schimpfen und blieb stur auf seinen Rädern stehen. Schon kamen ein paar Kinder gerannt und schauten neugierig zu. Den Linneweins blieb nichts anderes übrig als von der nächsten Telefonzelle aus ein Taxi zu rufen.
Was aber wurde nun aus dem roten alten Bus? Die Kinder erklärten es spontan zu ihrem Spielobjekt und nach einer Weile entschied das Bürgermeisteramt: „Der rote alte Bus dürfe auf dem Spielplatz bleiben.“
Manchmal fuhren die Linneweins mit ihrem neuen, dunkelblauen Auto am Spielplatz vorbei. Dann sagte Herr Linnewein spöttisch:“ Da steht sie, die alte Kiste und Henriette sah eingebildet geradeaus.
Das rote alte Auto aber strahlte jeden Tag aus seinen Glasaugen, es ließ die Kinder ein und aussteigen und stand zufrieden auf seinem Platz.

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Die Maus die Gwendolina hieß

Bauer Petzke hatte auf seinem Hof vier Kühe, zwei Schweine, eine Schar Hühner mit einem eingebildeten Hahn und einen kohlschwarzen Kater. Der Kater hieß Fridolin und ging regelmäßig auf Mäusefang.
Eines Abends hielt er wieder einmal Wache vor einem Mauseloch. Er legte seinen Schwanz vorsichtig über seine Pfoten und wartete gespannt auf einen Leckerbissen. Bald kam auch eine Maus vorsichtig heraufgeklettert. Gerade als Fridolin mit zitternden Schnurrhaaren zuschnappen wollte, da sagte die kleine Maus entsetzt:“ Du wirst mich doch nicht fressen wollen?“ „Natürlich, was denn sonst,“ schnurrte der Kater und hielt die Maus in seinen Pfoten fest. „Nun, du solltest wissen,“ sagte die kleine Maus, dass ich keine gewöhnliche Maus bin. Ich bin eine Künstlerin und spiele ein Instrument.“ „Was machst du?“ fragte da Fridolin ungläubig. Eine musikalische Maus, so was hatte er in seinem ganzen Katerleben noch nicht gehört. „Doch doch,“ piepste die Maus. „Mein Künstlername ist Gwendolina und ich spiele sehr gut großartig Geige. Es wäre doch jammerschade, wenn du mich nun auffrisst, ohne dass ich dir ein Lied vorgespielt hätte.“ Fridolin war jetzt doch neugierig geworden und ließ die Maus aus seinen Krallen. „Also gut,“ meinte er. „Hol dein Instrument und spiel mir etwas vor.“ Blitzschnell verschwand Gwendolina und genau so schnell war sie wieder da.
„Ole!“ sagte sie und brachte tatsächlich eine winzige Geige zum Vorschein. „Ich höre,“ sagte Fridolin, stellte seine Ohren spitz und zupfte bedächtig an seinen Schnurrhaaren. Gwendolina hob ihren Geigenbogen, stellte sich in Position, machte eine kleine Verbeugung und spielte, wie sie in ihrem ganzen Mäuseleben noch nicht gespielt hatte. Fridolin war begeistert. „So etwas ist mir in meinem ganzen Katerleben noch nicht passiert“, sagte er und klatschte begeistert bis ihm die Pfoten weh taten. „Also gut Gwendolina. Ich mache dir einen Vorschlag. Ich lasse dich in Zukunft in Ruhe und du gibst mir dafür, sagen wir einmal in der Woche eine Privatvorstellung.“ Gwendolina, deren kleines Mäuseherz ganz schrecklich klopfte, bedankte sich und sie versprach eifrig weiter zu üben.
So kam es, dass sich Fridolin und Gwendolina jeden Donnerstag zu einem Musikabend trafen.
Eines Tages hatte Gwendolina ein Gute-Nacht-Lied einstudiert und Fridolin maunzte vor Vergnügen, als er die zarten Töne hörte, die Gwendolina auf ihrer Geige hervorzauberte. Da meinte Fridolin, und dabei wischte er sich verstohlen ein paar Tränen aus den Augenwinkeln.“Was hältst du davon Gwendolina, wenn wir noch ein paar andere Tiere zu unserem Musikgenuss einladen würden? Ich finde, wir sollten ihnen dein Geigenspiel nicht vorenthalten.“ Da wurde Gwendolina ganz verlegen und hauchte:“ Wenn du meinst Fridolin.“ Gesagt, getan.
Fridolin benachrichtigte die anderen Tiere auf dem Hof. Zuerst ging er zu den beiden Schweinen und sprach seine Einladung aus. Die Schweine grunzten vor Freude und hielten diesen Vorschlag für eine grandiose Idee. Dann besuchte Fridolin die Kühe im Stall und fragte ob sie auch an einer musikalischen Vorführung interessiert wären. „Es wird unserer Milch schon nicht schaden,“ meinten die vier Kühe und waren damit einverstanden. Auch im Hühnerhof brach ein zustimmendes Gegacker aus und der eingebildete Hahn empfand die Einladung als eine persönliche Auszeichnung.
Jeden Donnerstag trafen sich nun die Tiere von Bauer Petzke in der Scheune und Gwendolina unterhielt die Schar mit wunderschönen Melodien. „Bravissimo,“ sagte Fridolin und schaute hingerissen auf seine neue Freundin. „Wir sind begeistert,“ muhten die Kühe und blickten verträumt durch ihre langen Wimpern. Die beiden Schweine ringelten ihre Schwänzchen vor Entzücken und lauschten und lauschten. Der Hahn gab zu, dass die Musik mindestens so schön wäre wie sein bestes Kikeriki, wobei die anderen Tiere protestierten und sagten:“ Gwendolina ist für etwas Großes bestimmt, ihre Kunst muss unter die Leute.“
So wurde aus Gwendolina die aller erste Maus, die in einem Konzertsaal auftrat. Im Moment ist sie Auf Tournee  in Frankreich. Aber ich bin sicher eines Tages kommt sie auch in unsere Stadt. Den alten Kater Fridolin hat längst  das Zeitliche gesegnet. Aber Gwendolina hat ihm einen Gedenkstein setzen lassen, darauf steht:" Hier ruht Fridolin, dem die Kunst wichtiger war, als ein Leckerbissen.

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Wie die Lisa dem Ferdi das Träumen lernte

In einer Sache, ging es dem Ferdi wie vielen anderen Kindern auch.
Er wollte am Abend einfach nicht ins Bett. So lange er konnte, zögerte er das Ausziehen hinaus. Er trödelte im Bad. Beim Zähneputzen machte er eine wilde Schaumpusterei und dann spülte er endlos lange den Mund. Schließlich sprach die Mutter ein Machtwort. Sie brachte den Ferdi ins Bett und hielt das Abendgespräch mit ihm. Da erzählte ihr dann der Ferdi, was ihm an diesem Tag besonders gut gefallen hatte und über was er sich geärgert hatte.
Nach diesem Geplauder schob die Mutter sein Kissen zurecht, gab dem Ferdi seinen Schlafhasen in den Arm und sagte:“ Jetzt schlaf schön Bub.“
Dann löschte sie die große Lampe. ließ dem Ferdi ein kleines Schlaflicht brennen und ging hinaus.
Der Ferdi aber, konnte und konnte nicht einschlafen. Kaum war die Mutter weg, rief er nach einem Glas Wasser. Dann war ihm die Bettdecke zu warm, danach schien ihm der Mond zu hell ins Zimmer und schließlich hatte er Angst unter dem Bett könne gar ein Krokodil liegen.
Die Mutter brachte ihm zu trinken, schüttelte die Bettfedern auf, sperrte den Mond hinter den Rollladen und sah nach, ob unter dem Bett auch wirklich kein Krokodil lag.
„Jetzt ist aber Schluss Ferdinand, mahnte sie dann. „Morgen früh bist du müde, weil dir der Schlaf fehlt.“
So ging das jeden Abend, bis eines Tages Ferdis Kusine Lisa auf Besuch kam. Der Ferdi freute sich Gesellschaft zu haben. Als er am Nachmittag mit der Lisa im Zwetschgenbaum saß, klagte er, wie sehr er das Einschlafen hasse.
Die Lisa aber lachte und sagte:“ Ich freu mich jeden Abend auf mein Bett und auf meine Traumreise.“ „Traumreise?“ fragte der Ferdi verwundert. „Was soll das sein?“ „Es ist eine Wunschreise, die du dir träumst. Pass mal auf,“ sagte Lisa eifrig. „Ich erklär dir das genau. Du musst die Augen schließen und dir etwas ganz schönes vorstellen. Etwas das du gerne erleben möchtest. Zum Beispiel eine Reise nach Alaska zu den Eskimos. Du wartest, bis die ersten Phantasiebilder in deinem Kopf auftauchen und dann lässt du dich einfach mitnehmen auf die Reise.“ „Und das klappt?“ fragte der Ferdi misstrauisch. „Du wirst schon sehen,“ .meinte die Lisa überzeugt. „Probier es doch einfach ein mal aus.“
An diesem Abend wunderte sich die Mutter, als der Ferdi ins Bett drängte. Flugs war er umgezogen. Schnell hatte er sein Waschritual beendet und dann lag er erwartungsvoll unter seiner Decke.
Zuerst gingen ihm alle möglichen Bilder durch den Kopf. Dann sah er sich wieder mit Lisa im Zwetschgenbaum sitzen, dann dachte er an seine Lehrerin Fräulein Sabatini, die kein bisschen streng war .Und schließlich kam ihm „Blümchen“, seine grauweißgestreifte Katze in den Sinn.
Draußen klapperte der Wind am Rollladen, im Wohnzimmer hörte er die Eltern sprechen. Da sah er auf einmal mit geschlossenen Augen einen Fluss. Breit und ruhig floss er an Wäldern und Wiesen vorbei und dann sah er auch ein Schiff auftauchen mit einer roten Flagge und als es näher kam konnte er sogar den Namen des Schiffes lesen und er wunderte sich ein bisschen, dass das Schiff den gleichen Namen wie seine Kusine Lisa hatte.
Kurz darauf befand er sich schon an Bord und wurde vom Kapitän empfangen und der ganzen Mannschaft vorgestellt. Schließlich bekam er eine Schlafkoje zugeteilt. Dann ließ er sich auf eine Reise mitnehmen, die bis zum Aufwachen dauern sollte.
Am nächsten Tag fragte die Lisa neugierig:“ Und hat mein Vorschlag geholfen, hat es geklappt mit dem träumen?“ „Ich bin mit einem Schiff gefahren,“ sagte der Ferdi überzeugt. Die Mutter strich gerade Butter auf ein Brötchen und sah verwundert auf. „Ja das stimmt,“ sagte der Ferdi.“ Die Lisa hat mir nämlich das Geheimnis vom Träumen verraten.“
Von da an gab es mit dem Einschlafen keine Probleme mehr. Der Ferdi reiste im Traum zu den Pyramiden in Afrika, zu den Kängurus nach Australien und auf einer Traumstraße nach Amerika.
Und du, wohin gehen deine Träume heute Nacht?

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Lilofee

Seit einer Woche ist alles ganz anders bei uns.
Seit einer Woche ist Lilofee im Haus.
Eigentlich heißt sie Lilo Katharina. Aber ich nenne meine kleine Schwester nur Lilofee. Sie hat nämlich genau so ein liebes Gesicht wie die gute Fee aus meinem Märchenbuch.
Mama sagt zu ihr Sonntagskind. Weil Lilofee an einem Sonntag auf die Welt gekommen ist. Für Opa ist unser Baby: „Die kleine Maus.“ Und Oma und Papa sagen „Unser Nesthäkchen“ zu ihr.
Lilofee bringt alles durcheinander bei uns. Wenn sie schläft laufen wir auf Zehenspitzen durch die Wohnung. Sogar Tiggy unsere Katze setzt ihre Pfoten ganz vorsichtig auf, wenn sie um Lilofees Körbchen schleicht.
Lilofee kann schon richtig laut schreien. Ich hätte nie gedacht, dass so ein kleines Kind so laut schreien kann. Mama sagt das ist normal und Lilofee habe nur Hunger oder nasse Windeln.
Wenn Mama Lilofees Fläschchen fertig macht und ich nicht in der Schule bin, darf ich meine kleine Schwester im Arm halten. Wir sitzen dann zusammen auf dem Sofa. Ich schaue Lilofee ganz genau an und wenn sie die Augen aufmacht sage ich: „Hallo, ich bins, der Sebastian.“ Dann hält sich Lilofee mit ihren winzigen Fingerchen an meiner Hand fest. Ich glaube sie will mir damit sagen, dass sie mich nett findet.
Ich bin mächtig stolz auf meine Schwester. Papa auch, weil sie ordentlich was auf die Waage bringt.
Lilofee wird nächste Woche getauft und ich möchte ihr gerne ein Geschenk machen. In meinem Zimmer habe ich alles genau durchgesehen. Die Rollschuhe den Roboter, die Spielsammlung, meinen Fußball und die Rennautos. Aber das ist alles nicht das Richtige für so ein Baby. Mama sagt, ich kann ihr ja von meinem Taschengeld eine Rassel kaufen. Aber Lilo hat schon zwei Rasseln eine in Gelb und eine Blaue.
Gestern vor dem Einschlafen ist mir was Tolles eingefallen. Ich werde für Lilofee ein Gedicht schreiben und es ihr jeden Abend vorlesen. Eine Strophe hab ich schon fertig. Sie geht so:“
„Lilofee, das ist kein Bübchen.
Das ist ein Mädchen mit zwei Grübchen.
Mit Augen, die sind veilchenblau,
das sieht man jetzt schon ganz genau.“
Oma findet die Idee super. Sie hat für Lilofee ein rosa Jäckchen gehäkelt.
Heute war Mama schnell im Supermarkt einkaufen und ich habe auf Lilofee aufgepasst. Erst war sie ganz brav. Aber auf einmal hat sie angefangen zu schreien. Da bin ich ganz schön ins Schwitzen gekommen.
Erst hab ich sie geschaukelt. Das hat nichts geholfen. Dann hab ich ihr Hänschen Klein“ vorgesummt, aber Lilofee hat noch mehr geschrien. Und dann hatte ich einen Geistesblitz. Ich habe meine Kassetten geholt und Lilofee die Geschichte vom Monster vorgespielt. Das hat sie sehr interessiert und sie war gleich still.
Mama war sehr überrascht, wie ich ihr das erzählt habe.
Lilofee mus am Abend früher wie ich ins Bett.
Wenn Mama abends zum Gute Nacht sagen in mein Zimmer kommt, sagt sie:“ Und wie geht es meinem Sebastian?“ Dann wünsche ich mir manchmal, ich wäre Lilofee und Mama würde mich auch so schaukeln.
Aber ich schließlich schon fast sieben. Und ich bin ein Junge. Und seit vier Wochen bin ich ein Bruder. Und das finde ich toll.

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Wie Oskar einen Hund bekam

Alle kleinen Jungen wünschen sich einen Hund. Na ja vielleicht nicht alle aber doch die allermeisten.Und ein gewisser  Oskar wünschte sich ganz besonders einen Hund. Auch wenn es nur ein ganz ganz kleiner sein würde. Oskar hatte ein dickes  Album. Darin waren alle Hunderassen abgebildet, vom Pudel bis zum Schäferhund. Jeden Abend vor dem Einschlafen schaute sich Oskar die Seiten an und suchte sich einmal diesen einmal jenen zu seinem Lieblingshund aus. Einmal träumte Oskar von einem Collie, der wie Lassie aussah, einmal  von einem Boxer, der ihm treu überall hin folgen würde  und einmal von einem kleinen Rehpinscher der sogar in seinen Rucksack passen würde.Eigentlich war es unmöglich dass sich sein Wunsch eines Tages erfüllen würde. Oskar wohnte nämlich mit seinen Eltern in einem großen Mietshaus. Und Tiere zu halten, war in diesem Haus nicht erlaubt. Das hatte der Vermieter gesagt. Kein Hund, keine Katze, höchstens ein Wellensittich. Doch Oskar wollte sooo gerne einen Hund. Eines Tages spielte er im Park Fußball. Da kam eine alte Dame mit einem Dackel vorbei, der mächtig an der Leine zerrte. „Nicht so schnell,“ mein Kleiner sagte die Frau und holte ein Taschentuch aus ihrer Handtasche. Plötzlich riss der Hund sich los und sauste wie der Blitz zum Ententeich. Die Frau setze sich vor Schreck auf eine Bank. Oskar hatte alles beobachtet und brachte ihr den Hund zurück. Die alte Dame bedankte sich und sagte:“ Eigentlich bin ich schon zu alt für den Waldi, Meine Beine können nicht mehr so schnell. Aber der Hund braucht doch seinen Auslauf.“ „Das könnte ich ja machen“, sagte Oskar mutig und bekam ein wenig Herzklopfen. „Einverstanden!“ sagte die Frau. „ Ich bin übrigens die Frau Schneider.“ „Und ich bin der Oskar und wohne in der Marktstraße.“ „Kannst du denn täglich mit dem Waldi   Gassi gehen? Und hast du dann auch noch genug  Zeit für deine Schularbeiten?“ fragte Frau Schneider. „Aber klar“, sagte Oskar und bekam vor Freude und Stolz ganz rote Ohren. „Abgemacht!“ sagte Frau Schneider. Morgen um drei klingelst du einfach bei mir.“ „Prima , sagte Oskar und verabschiedete sich. „Da wird Mama aber Augen machen,“ dachte er und rannte so schnell er konnte nach Hause.